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16.02.2003  -  29.06.2003

Die organische Form 1930 bis 1960: Produktgestaltung

Mit der Ausstellung "Die organische Form 1930 - 1960: Produktgestaltung" stellt die Wilhelm Wagenfeld Stiftung in Bremen ein außerordentlich wichtiges, in Europa und den USA zeitgleich entstandenes Stilphänomen in den Mittelpunkt, das in allen Kunstsparten zu beobachten ist. Parallel widmet sich das gegenüberliegende Gerhard-Marcks-Haus (Bildhauermuseum) der organischen Form in der Bildhauerkunst.

Die Präsentation des Wilhelm Wagenfeld Hauses umfasst vor allem Möbel, in kleinerem Umfang auch Leuchten und Gefäße. Die Verbindung der einzelnen Produkte zu den im Gerhard- Marcks-Haus gezeigten Beispielen der jeweils zeitgenössischen Bildhauerkunst ist evident. Exemplarisch seien die Namen von Alvar Aalto, Ray und Charles Eames, Egon Eiermann, Arne Jacobsen, Carlo Mollino, Isamu Noguchi, Eero Saarinen, Verner Panton und Wilhelm Wagenfeld genannt. Da sich bei heutigen Designern ein starkes Revival plastischer, biomorpher Gestaltung feststellen lässt, das sich unübersehbar auf die historischen Vorbilder bezieht, werden einige Beispiele der prominentesten Vertreter gezeigt, u.a. Ron Arad oder Marc Newson.

Ein Rundgang durch die Ausstellung

Um das Stilphänomen in seinen Facetten anschaulich zu machen, ist die Ausstellung nicht chronologisch, sondern nach Themenschwerpunkten geordnet, bei denen die konstruktiven Gestaltungsansätze im Vordergrund stehen.

Der Freischwinger - der Traum vom schwerelosen Sitzen

Den Auftakt bilden die bedeutendsten Freischwinger-Stühle, deren epocheprägende Erfindung durch Mart Stam und Marcel Breuer in den 1920er Jahren einen wichtigen Anstoß für die Entwicklung der organischen Form gab. Gezeigt werden sowohl frühe Beispiele von Mies van der Rohe oder Alvar Aalto als auch spätere Freischwinger-Klassiker, wie z.B. der Panton-Chair oder eine „Stuhl-Plastik" von Ron Arad aus den 1990er Jahren.

Bugholzmöbel - der Beginn der industriellen Massenproduktion im Möbeldesign

Die dreidimensionale Verformung von Bugholz zählte schon im 19. Jahrhundert zu den epochemachenden Leistungen der Fa. Thonet; den wichtigsten Beispielen ist ein eigenes Kabinett gewidmet.

Federn, Schaukeln, Wippen

Auf Federung oder dem Schaukelprinzip beruhende Entwürfe, etwa von Alvar Aalto, Willy Guhl oder Bruno Matthson, ermöglichen dem Benutzer Entspannung durch den selbstgewählten Wechsel von Ruhe und Bewegung.

Der Schalensitz - Höhepunkt moderner Möbelgestaltung

Die dreidimensionale ergonomische Verformung von Sperr- und Schichthölzern stellte eine vorrangige Aufgabe für die Gestalter der 1930er und 1940er Jahre dar. Ihr widmeten sich in Finnland Alvar Aalto und in Amerika Eero Saarinen und Charles und Ray Eames intensiv und in regem Austausch mit den europäischen Kollegen. Doch erst mit den Kunststoff-Schalensitzen wurde das Ziel einer „körpergerechten" Form in vollem Umfang erreicht.

Vorbild Natur

Wie natürlich ‚gewachsen‘ scheinen die Entwürfe von Antonio Gaudi, Finn Juhl, Carlo Mollino oder Sori Yanagi. Das Phänomen der Nachahmung von Pflanzenformen oder Lebewesen bei der Gestaltung von Tischen und Stühlen (Niere, Schmetterling, Knochen, Äste, Arme, etc.) findet sich weltweit.

Körperhüllen - Raumskulpturen

Viele der Werke von Protagonisten organischer Formgestaltungen zeichnen sich durch ihre skulpturale Qualität aus: zu ihnen zählen Entwürfe des Ehepaars Eames ebenso wie diejenigen des Bildhauers Isamu Noguchi oder des Designers George Nelson. In den 1950er Jahren setzen Künstler und Architekten wie Arne Jacobsen, Harry Bertoia und Egon Eiermann das Bemühen um eine ergonomische, dem Körper folgende oder ihn umhüllende Gestaltung fort; als Materialien dienen Holz oder Drahtgeflecht, Kunststoff oder Peddigrohr. Oft tragen die Objekte signifikante Titel: Swan, Egg, Tulip, Womb, Tropfen, Muschel; aus den USA stammt der berühmte „Nierentisch". Mit Gestaltern wie Verner Panton beginnt um 1960 eine neue Ära.

Leuchten und Gefäße

Einen eigenen Schwerpunkt bilden Leuchten und Gefäße: Akari-Leuchten aus Papier von Isamu Noguchi, Plexiglas-Leuchten des Bauhaus-Schülers Hanns Hoffmann-Lederer und Porzellan-Glas-Leuchten von Wilhelm Wagenfeld; die Gefäße, Vasen und Schalen stammen von wichtigen skandinavischen Gestaltern und wiederum von Wilhelm Wagenfeld.

Ausstellungsgestaltung

Mit einem neuartigen Ausstellungskonzept werden die Exponate im Wilhelm Wagenfeld Haus inszeniert, die Leihgaben kommen aus dem Vitra Design Museum/ Weil am Rhein, dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen sowie von einigen Herstellern.

I assure you that you and your work are the model case for what the Bauhaus has been after.
Walter Gropius (Brief an Wagenfeld vom 14.04.1965), Direktor des Bauhauses 1919 - 1928